Montag, 12. Januar 2015

Blick von der Altstadt Mardins in der Osttürkei in die syrische Tiefebene Oktober 2013

Schon Ende 2013 war ich erschrocken über die (von schwarzbärtigen Männern) ausgelösten atmosphärischen Veränderungen in den nach Syrien hin grenznahen Städten der Türkei Antakya, Sanli Urfa, Mardin ect.
Damals habe ich angekündigt, darüber ausführlicher zu erzählen.

Aber erfahrenere und im Thema bewandertere Leute als ich schreiben lesenswerte und kluge Beiträge zum Thema Islam.
Dieses Interwiew mit dem Direktor des Zentrums für islamische Theologie in Münster Herrn Khochide lege ich Euch sehr ans Herz. Der Kernsatz dieses Interwiews für mich:

Die Grenze verläuft nicht nach Religionszugehörigkeit, sie trennt vielmehr Extremisten und friedliebende Menschen.

Jede Religion, jede Ideologie kann (und wird) missbraucht werden. 
Jede Katastrophe zieht Geier an, die Nutzen aus Elend, Leid und Streit ziehen.(Cui bono- wem nützt es?)

Es gibt keine einfachen Lösungen. Es gibt keine Wahrheit. Nur Einigung. Wir sehnen uns so sehr, nach einfachen Zuordnungen von Richtig und Falsch, von Freund und Feind, von gutem Glauben, schlechtem Glauben.

Ich habe immer schon Menschen misstraut, die sich zu eindeutig auf einen Stuhl gesetzt haben. Abgesehen davon, dass ich das immer langweilig fand.
 Zwischen den Stühlen zu sitzen schafft aber mehr Raum und Luft für mehr Mitmenschlichkeit. Auch wenn es zugegebenermaßen viel anstrengender ist, mit einer halben Pobacke auf dem einen, einer viertel Pobacke auf dem anderen Stuhl und dazwischen über einem Abgrund zu hängen. Sich auch ständig bewegen zu müssen um nicht in schmerzhafte Schonhaltung zu verfallen. 

Erweitern wir unseren Horizont. Solange wir leben, müssen wir uns wandeln. Wenn wir stillstehen im Geist, sind wir tot, auch wenn das Herz noch schlagen mag.
Auch ich habe mich gemütlich und bequem eingerichtet in dieser zutiefst ungerechten und beunruhigenden Welt. Und spüre schon so lange, dass wir so nicht weitermachen können. Ratlos bin ich schon lange. 
Dania schreibt so wunderbar, dass wir MUTIG sein müssen. 
Ja, das finde ich auch. Ich freue mich, dass so viele mir liebgewordene Bloggerinnen Stellung beziehen. Das schafft eine ganz eigene Energie. Danke dafür!

Ich glaube auch sehr daran, dass gute Gedanken, oder Gebete, oder Meditationen für den Frieden, oder Singen...oder wie immer es jeder einzelne auch nennen mag, heilsam sind. Wie auch immer. 

Lasst uns weiter nachdenken. Lasst uns weiter wandeln.







Kommentare:

  1. Liebe Lisa,
    den Bericht über deine Reise im Oktober hatte ich versäumt, da war ich in Reha... Jetzt bin ich froh, ihn nachträglich noch gelesen zu haben, dank deines Hinweises.
    Wenn es überhaupt irgendeinen Grund gibt, sich noch ein wenig Optimismus für die Zukunft der Menschheit zu bewahren, dann sind es für mich solche Orte des Friedens, wie du einen beschreibst. Wo Menschen es zu ihrer Lebensaufgabe machen, "zwischen den Stühlen zu sitzen" (da hast du ein sehr prägnantes Bild gefunden!) und ein Verbindungsglied zwischen Menschen verschiedener Kulturen und Religionen zu sein. Jeder Mensch, vor allem jeder junge Mensch, sollte die Möglichkeit haben, solche Orte kennenzulernen - und eigentlich müsste es noch viel mehr davon geben. Wir brauchen sie ganz dringend.
    Danke für diesen schönen Beitrag,
    Brigitte

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  2. Das hast Du super beschrieben, jetzt werde ich immer an die viertel Pobacke denken, wenn ich mich meinen Fragen stelle oder bei einer Diskussion nicht allzu rigide ´auf einem Stuhl` sitze.
    liebe Grüße, Petra

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  3. "Es gibt keine einfachen Lösungen. Es gibt keine Wahrheit. Es gibt nur Einigung." Damit bringst du es auf den Punkt. Alles sehr viel komplexer, als wir das sehen wollen (und manchmal auch begreifen können...) Danke, Lisa! Lieben Gruß Ghislana

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  4. Mich macht das Geschehene so unfaßbar traurig. Meine riesige Familie besteht zum größten Teil aus Moslems. Ein kleinerer Teil gehört dem Christentum an. Alle leben seit jeher friedlich und respektvoll miteinander. Niemand versucht dem anderen etwas "überzustülpen", oder mißbraucht seinen Glauben, um Verbrechen zu begehen. Alles steht und fällt damit, wie Gläubige die heiligen Schriften auslegen, und was sie wie leben. Ich wünschte, die Menschen würden endlich lernen zu differenzieren. Schade, daß nicht jeder den Satz, den du hervorgehoben hast, in unserer Gesellschaft so wird sehen können. Liebe Grüße.

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  5. gestern: 30 000 in leipzig für weltoffenheit und gegen rassismus machen mir mut!!!
    herzlichst, mano

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  6. liebe lisa,
    ja - gedanken, gebete, meditationen FÜR etwas, FÜR den frieden, FÜR toleranz - ich denke, es ist wie beim "bestellen beim universum", positive formulierungen sind gefragt.
    herzliche umarmung!
    dania

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  7. erstens: die Vorstellung von Stühlen und Pobacken gefällt mir und vor allem auch die Formulierung "sich auch ständig bewegen zu müssen um nicht in schmerzhafte Schonhaltung zu verfallen"

    zweitens: ich finde es ganz wichtig, sich "für" etwas zu entscheiden und "für" etwas einzutreten
    denn durch ein "gegen" schaffe ich das nicht aus der Welt, sondern nenne es ja jedes Mal von neuem
    (irgendwie kann ich das nicht klarer ausdrücken)

    lieben Gruß
    Uta

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