Dienstag, 30. Dezember 2014

Ade 2014
zwiespältig schaue ich zurück auf dieses Jahr.
Denn bei allem persönlichen Grund, dankbar zurückzublicken, kann ich nicht umhin, zunehmend beunruhigt zu sein.
Heil war die Welt noch nie. Immer sind Krieg und Elend unsere alltäglichen bildgewaltigen Begleiter in den Nachrichten.

Was mich im Moment aber so besonders erschreckt, ist die ungeheure Vertreibung von Menschen. Und auf der anderen Seite die unfaßbare Kälte und der Egoismus, aber auch die megagroße Dummheit so mancher unserer sattgegessenen, gut versicherten, mit sozialen Netzten ausgestatteten Retter der Kultur des Abendlandes.

Wie kann es sein, dass so ein Abendländer sich selbst nicht mal einen Moment vorstellen kann, er, sie, sein Kind, seine alte Mutter....wären einem kriegerischen Angriff, Kälte, Verfolgung, Unfreiheit oder auch "nur" wirtschaftlicher Not ausgesetzt?

Niemand verläßt seine Heimat, seine Lieben, seine Kultur und seine Art zu Leben aus Jux und Tollerei. Wie schwer ist es, fremd zu sein. Wie schwer ist es, fremd und nicht willkommen zu sein.

Jeder dieser Retter des Abendlandes hätte, z.B. im nahen Osten reisend, erfahren können, wie die meisten Menschen dort Fremde aufnehmen. Und zwar ohne nach dem Woher und Wohin zu fragen: Das beste Bett im Hause hätte man ihm angeboten, ihn zum Essen und später zum Bleiben genötigt. Mein Haus ist Dein Haus, das hätte er zu hören bekommen. Weil der Gast Gott ist, wie sie dort sagen....
...und genau das übrigens sagt auch der Erlöser, den unsere Abendland-Retter so weihnachtlich öffentlich besungen haben:
Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Der Gast ist Gott. Und ich bin fremd. Fast überall auf dieser Welt.



  Bild "ich bin fremd" Acryl auf Packpapier. ca 50x70 cm

Im neuen Jahr werden zwei dieser "Fremden" hier bei uns einziehen. Hurraaa! Gott kommt!

Kommentare:

  1. Das ist das Beste, was ich seit langem gelesen habe. Danke, Lisa!

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  2. Wahre Worte und ein wunderbares Bild dazu! Ich bin gerade zufällig hier gelandet, komme aber sicher wieder!
    Herzliche Grüße und alles Gute für das kommende Jahr
    Regina

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  3. Ja, so ist es. In Anbetracht all des Leids überall auf der Welt stellt sich wirklich die Frage, wer "fremd" ist. Letztlich sind wir, wie es ein Kirchenlied so schön sagt "nur Gast auf Erden". Alle.
    Ich fühle mich hilflos, wenn ich die Nachrichten lese. Manchmal frage ich mich wirklich, wie das nur weitergehen soll. Drohungen werden ausgesprochen, Unmenschlichkeit in so vielen Gebieten... Macht scheint das höchste Gut.
    Wie wahr und wohl gewählt deine Worte - und auch die Farben, das Gesicht auf deinem Bild. Und dein letzter Satz, der freut mich.
    Alles Liebe. maria

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  4. deine worte - so wahr! und in Gottes Ohr seien sie, noch mehr aber in all unseren.
    Gott kommt - wie schön!
    Herzliche warme Grüße - aus der Fremde ;)
    Dania

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  5. Liebe Lisa, diesen Zwiespalt empfinde ich auch, du hast ihn so gut in Worte fassen können... Und das Bild ist ergreifend. Ich fühle mich angesichts der kalten herzlosen Diskussionen mehr und mehr fremd unter "meinen" abendländischen Menschen. Alles Liebe und Gute dir und auch den Fremden bei euch! Ghislana

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  6. So wahr, liebe Lisa - diese Dinge machen traurig und sprachlos.
    Und doch kann es nicht oft genug gesagt werden: jeder ist ein Fremder, fast überall.
    Dir alles Gute für 2015 - und darüber hinaus!
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Ach, und danke für den Hinweis - hatte es noch gar nicht gehört.

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  7. liebe lisa, dein bild rührt mich zu tränen. und macht mich wütend ob der selbsternannten patrioten, die nachplappern, nachschreien und nichts wissen. so viel dummheit macht sprachlos, aber auch kämpferisch!
    herzlichst, mano

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