Montag, 11. Januar 2016

Sonntagsspaziergang
Manos Spaziergang hat mich gestern dazu bewegt, auf einer  Wanderung auch mal wieder die Kamera mitzunehmen.

Oberhalb des Leinetales machte ich mich auf. Bei Nieselwetter und Wind, der dann überraschend bald für blauen Himmel sorgte.



Wenn ich Buchenwälder im Winter anschaue, habe ich Lust, mal von Birken auf Buchen umzusteigen- da muss ich doch bald mal den Pinsel schwingen und schauen, wie mir Buchen liegen...






Auf der Suche nach Grün wurde ich überall fündig.  




...und nicht nur ich, sondern auch die Schafe fanden frisches Grün!


und Seltsames war auch zu sehen


Mein Weg führt mich dort immer am Waldrand über einen sanft ansteigenden Grat auf einen Hügel, der zur anderen Seite steil abfällt( wo Oma Lisa inzwischen zum am Wege liegenden Spazierstock greift, um sicher wieder unten anzukommen...)


Auf dem Kopf des Hügels verweile ich immer bei einer alten Bekannten. Diese Buche hat eine Widerstandskraft und Lebensenergie, die mich bei jedem Besuch beeindruckt. Ich denke, dass sie vor vielen Jahren der Blitz getroffen hat.


Seit Jahren bange ich, ob sie noch steht. 

Ihre jungen Nachbarn scheinen sie zu stützen, und sie nimmt die Hilfe an, grünt im Frühjahr wieder und tut das Ihre für das Leben in und um sie her.

Ich musste an eine Reportage denken über ein sardisches Dorf, in dem es ungewöhnlich viele Hundertjährige gibt. Die alten Leute dort sind auffällig fit, geistig und körperlich.
Sie essen, was sie anbauen und züchten und fischen, sind viel an der frischen Luft, arbeiten körperlich schwer. Das ist bestimmt gesund, aber nicht so ungewöhnlich und selten in der Welt. 
Was aber sehr besonders ist: Die Hundertjährigen sind in den Alltag der Jüngeren eingebunden, denn diese brauchten täglich den Rat und die Hilfe der alten Leute. Denn in diesem Dorf wird nicht nur geschlafen, sondern auch gearbeitet. Und zwar in den gleichen Metiers, in dem die Alten schon ein Leben lang Erfahrung gesammelt haben: Landwirtschaft, Gartenbau, Handwerk, Nachkommen, Hauswirtschaft. Hier wohnt niemand, der nicht auch sein Ein- und Auskommen vor Ort hätte. Und da hat man viele Fragen an Oma oder Urgroßvater, wenn die Tomaten ungewöhnlich aussehen oder ein Tier erkrankt oder man das alte Rezept für die Pflanzenjauche braucht. Zumal die alten Leute alle noch ihr Gärtchen haben und hacken und säen- wie es die Kraft noch erlaubt. Und selbstverständlich wird Hilfe von den Jungen angenommen, ohne Zögern. Warum auch, die gegenseitige Wertschätzung ist selbstverständlich. 
Und jede Woche trifft sich das Dorf zum Tanz. Das fand ich unglaublich. Alle, die Zeit und Lust haben, vom Baby bis zu den Hundertjährigen, essen, trinken und tanzen zusammen. Viel Lachen, viel Respekt. 


Einsamkeit im Alter ist eine große Demütigung. Eine der Seuchen unserer Gesellschaft.


Wenn wir uns zusammenschließen, finden wir zwischen uns Räume aus Licht.

die alte Buche schicke ich zu Ghislanas Baumfreunden



Kommentare:

  1. Ja, die goldenen Zeiten der Bibel, der Märchen gibt es dann wohl noch vereinzelt.
    Ja, eine Demütigung ist das, die Einsamkeit im Alter. Habe heute Morgen schon mit meiner Mutter eine Runde am Telefon geheult ( obwohl der Anlass ein freudiger sein sollte ). Aber eine alle zufriedenstellende Lösung finden wir nicht, und dann müssen Kompromisse gelebt werden. -
    Über die jüngsten Ereignisse gestern in Köln hatte ich schon gestern vor dem Schlafengehen erfahren. Das ist ja das, was ich befürchte, diese Eskalation der unsinnigen Gewalt...
    Das Wetter passt mal wieder bestens zur Gemütsverfassung: Heftiger Dauerregen.
    Alles Liebe!
    Astrid

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  2. Liebe Lisa,
    du sprichst etwas an, das mir sehr wichtig ist und am Herzen liegt. In meiner türkischen Familie wird genau das gelebt: die Alten, wenn auch halb blind und nicht mehr wirklich fit, dürfen mitmachen im Familienalltag. Sind sie nur noch in der Lage kleinste Arbeiten zu verrichten, dann dürfen sie eben diese tun und etwas zum gemeinsamen und großen Ganzen beisteuern. Ihr Rat ist immer gefragt, man hört ihnen gerne zu und behandelt sie mit Wertschätzung und dem größten Respekt. Ich will nicht behaupten, daß es das nicht auch in deutschen Familien gibt. Eine Bekannte, die im Altenpflegeheim arbeitet erzählt mir, daß es dort alte Menschen gibt, deren Angehörige im selben Ort wohnen und doch geht nie Jemand hin. Nur wenn die Heimarbeiter sehr bitten, kommt vielleicht ein mal im Jahr Jemand für eine Stunde vorbei. So traurig ist das. Ich wünsche jedem alten Menschen, daß seine reichhaltigen Lebenserfahrungen geschätzt werden. Und daß die Jungen darauf zurück greifen und davon profitieren dürfen.

    Liebe Grüße.

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  3. So ein schöner Spaziergang, liebe Lisa (und dich Buche hätte ich ja sehr gern hier: http://jahreszeitenbriefe.blogspot.de/2015/12/mein-freund-der-baum-34.html )... Ja, wir Omas, wie wird es uns ergehen, wenn wir dann wirklich alt sind (100 ist nicht unbedingt mein Ziel, aber 80 schon ;-))... Noch habe ich keine Angst vor Einsamkeit, bin allerdings auch das Allein-und-damit-Glücklichsein gewöhnt..., sogar das Auto fehlt nicht, obwohl es den Aktionsradius schon einschränkt. Mögen Kopf, Rücken und Herz noch lange gut zusammenhalten ;-) Lieben Gruß Ghislana

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  4. Dieses Dorf klingt fast zu schön um wahr zu sein - Utopia, vielleicht schon wirklich...
    Annette

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  5. Liebe Lisa,

    was Du schreibst ist sehr anrührend und ich habe heute viel daran gedacht. und auch daran, wie sich das Leben in den größeren Städten von dieser Form von Gemeinsamkeit entfernt hat und so ganz anders organisiert. Und dennoch können wir auch hier in unserem Stadtteil achtsam sein, und uns die Menschen, die uns begegnen genauer betrachten und mit ihnen sprechen. Als erster kleinen Schritt. denn so beginnt es ja.Manche wissen ja leider schon gar nicht mehr wer so neben ihnen wohnt.
    Und sobald man dies tut, ergeben sich viele Gelegenheiten am Anderen teilzuhaben und aus der Vielfalt an Lebensentwürfen zu schöpfen. Dann gibt es ja noch solche Organisationen wie Nachbarschaftshilfe,Leihomas,Repair Cafés interkulturelle Freundeskreise etc. die Treffen organisieren um genau solche einen Mangel an Gemeinschaft zu verkleinern.
    Das ersetzt kein Dorf, wie das sardische , aber es erinnert daran und lässt hoffen. Zum Glück!

    Was ist das denn für ein Fuß auf dem einen Bild?Ich hätte mich wohl sehr erschreckt ;-)....

    Liebe Grüße, Taija

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  6. gut, dass du deine kamera mitgenommen hast! ich mag deine bilder sehr. ich habe mich stattdessen von dir inspirieren lassen und birken gemalt... kein vergleich mit deinen schönheiten, aber es hat spaß gemacht und mir gefallen sie in der schachtel gut.
    was du von diesem sardischen dorf schreibst, hat mich sehr berührt. ja, wie anders ist das hier alles. die kinder und verwandte in der welt verstreut, die freunde haben alle ihr eigenes haus, was sie nicht verlassen wollen, eine alt-und-jung-wg wäre ein anfang. doch alle projekte, die ich bisher kennengelernt habe, sind teuer und für kleinverdiener/
    -rentner nicht leistbar. aber wir träumen weiter!!!
    hast du diesen merkwürdigen fuß mitgenommen ;-)?
    liebe grüße an die leine,
    mano

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    1. Der kleine Fuß streckte mitten auf dem Waldweg seine Zehen in die Luft....ich bin daran unschuldig. Hab ihn stecken lassen- etwas morbider Spaß für die nächsten aufmerksamen Wanderer.

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  7. "...vom Baby bis zu den Hundertjährigen, essen, trinken und tanzen zusammen..."

    Ganz viel Sehnsucht spüre ich, wenn ich sowas lese...

    Dir viel Freude im neuen Jahr, tanzend oder malend oder singend!

    Brigitte

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  8. die bäume sprechen nicht, aber hören ? könnte man denken, gut zu lesen auf was der spaziergang in der natur so für gedanken bringt. alt werden... es gibt so viele arten und der baum der immer wieder da ist bei deinem *besuch* das ist was wichtig ist.
    schöner abend !

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  9. Liebe Lisa,
    "oberhalb des Leinetals" lese ich (die im südlichen Hannover lebt) und frage mich, wo zum Himmel ist oben?
    Schöne Buchenbilder hast du vom Spaziergang mitgebracht und doch sind die Birken nicht zu verachten.
    Ob Buchen oder Birken. Dringend warte ich auf den Frühling und das erste, neue, zarte Grün.
    Claudiagruß

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